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 Betreff des Beitrags: RR
BeitragVerfasst: 2. Nov 2009 16:50 
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es gibt auch schlechte traditionalistische Architektur, und dies ist ein gutes Beispiel hiefür. Mit solchen Bauten ist für unsere Anliegen nichts gewonnen, die werden mit Recht in der Luft zerfetzt. So leicht soll man es den ideologisch motivierten Hasser alles Traditionellen nicht machen.
Schon das Eckrondell ist lächerlich - jeweils zwei riesige plumpe Säulenpaare rahmen eine(!) vergleichsweise schmale Fensterachse ein. Wozu dieser strukturell durch nichts zu rechtfertigende Aufwand? Was soll hier betont werden?
Dann der anschließende Corpus - erbärmlich. Der eigentliche Mittelrisalit oder so etwas ähnliches birgt in seiner Mitte, dort, wo alle Wirkungen zusammenlaufen sollten - beinahe nichts,. eine riesige Glasscheibe. Hässlich auch der brutal-stumpfe obere Abschluss - wozu dieser Risalit formal gut sein soll?

Ganz brutal wird dies bei der offensichtlichen Hauptfassade wiederholt. Soviel Aufwand wurde noch nie für eine Glasscheibe betrieben.

Sicher wird sich der Bau gut in ein klassizistisch-historistisches Stadtbild einfügen, dies in erster Linie ob seines Materials. Aber das ist für ein derartiges Monstrum zu wenig.


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 Betreff des Beitrags: Re: So schön könnte Bauen sein
BeitragVerfasst: 2. Nov 2009 18:32 
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Ich finde, daß man angesichts der heutigen realen Probleme, die wir haben, nicht zu formstreng sein sollte. Auch in der Vergangenheit spielten Baumeister immer wieder frei mit den klassischen Elementen. Man denke etwa an den Manierismus mit seinem alle Form überwuchernden Dekor. Der obere Abschluß gefällt mir auch nicht, aber wie gesagt, es gibt andere Bauprojekte über die ich mich viel eher derart erregt auslassen würde. Nach Washington passt das Gebäude gut. Und auch in Berlin hätte ich mir an einigen Stellen eine abgewandelte, überarbeitete Form desselben vorstellen können, als Alternative zur ewig gleichen dort gebauten Rasterfassade.


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 Betreff des Beitrags: Re: So schön könnte Bauen sein
BeitragVerfasst: 2. Nov 2009 19:16 
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Heimdall hat geschrieben:
Ich finde, daß man angesichts der heutigen realen Probleme, die wir haben, nicht zu formstreng sein sollte. Auch in der Vergangenheit spielten Baumeister immer wieder frei mit den klassischen Elementen.

Ganz genau. Außerdem erstickt eine solche Einstellung den Mut zur Weiterentwicklung und Neuschöpfung. Für Kreativität braucht es einen freien Geist. Strenger Konservatismus führt vielleicht zu mehr exakten Rekos, gleichzeitig aber auch zur Zementierung des Status Quo mit einem langweiligen Kräftemessen zwischen monotonen Kuben und linientreuen Kopien vergangener Baustile.


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 Betreff des Beitrags: Re: So schön könnte Bauen sein
BeitragVerfasst: 2. Nov 2009 20:49 
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@heimdall und erst recht youngi (von welchletzterem das Insistieren auf einen gewissen Qualitätsanspruch natürlich auch in keiner Weise zu erwarten war :zwinkern: )

Nix da.
Spät- bzw Epigonalstile erfordern Qualität und Verfeinerung. Natürlich 'darf' auch der moderne Baumeister 'frei' mit den 'classischen Elementen spielen', er darf diese auch neu deuten, ja verfremden, nur muss er diese erstmal beherrschen. Und das ist bei diesem grottenschlechten RR-Center, oder wie es heißt, nicht in Ansätzen der Fall. Nach Waschington Disieh mag dies passen, da stimme ich heimdall schon zu, aber nicht in unseren trotz aller pseudomodernistischer Inflation noch immer kulturgetränkten Kontinent.
Ein derartiges Herumstümpern mit unserem ureigensten Vocabular wäre für den Untergang des Abendlandes symptomatischer als alle noch so unbeholfenen Modernismen.


Zuletzt geändert von ursus carpaticus am 2. Nov 2009 20:53, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: So schön könnte Bauen sein
BeitragVerfasst: 2. Nov 2009 21:33 
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ursus carpaticus hat geschrieben:
nur muss er diese erstmal beherrschen

Sehe ich nicht so. Wie ein kleines Kind kann man da ran gehen, neu zusammenbasteln und seine Freude, Liebe und Energie rein stecken ("...mehr als die Tiefgelehrten wissen..."). Wenn es danach vielen Menschen gefällt und nichts zerstört, ist das Experiment gelungen. Und falls es mißlingt - den Versuch war's wert. Du, mein Ursus, darfst gerne strenge Wege für richtig halten. Aber laß Anderen auch ihre Herangehensweise - die eigene Überzeugung darf anderen Überzeugungen Raum gewähren. Respekt statt Arroganz - viele Wege führen nach Römö (nördl. Sylt).

@Qualitätsanspruch: Kommt ganz darauf an, wie man "Qualität" definiert. Welche Qualitäten ich in diesem Gebäude sehe, habe ich weiter oben dargelegt.


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 Betreff des Beitrags: Re: So schön könnte Bauen sein
BeitragVerfasst: 18. Nov 2009 18:48 
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Leute wie Ursus sind der Grund, warum Berlin mit langweiligen Rasterfassaden wiederaufgebaut wurde.
Nichts für ungut ;)


Etwas mehr kreativer Geist darf gern durch unsere Lande, über den ganzen Kontinent wehen.
Die Postmoderne fand ja vorallem auch außerhalb Europas statt - und teilweise sehr erfolgreich.
Bei Gelegenheit mach ich mal einen Extrastrang dazu auf.

Gerade die Architektur braucht Raum und Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Die Moderne durfte dies lange genug, nun ist der Neohistorismus dran. Auch ein Revival der Postmoderne schimmert am Horizont.
An der Stelle mal ein Lobesklang in Richtung Heimat des jungen Werthers, die es geschafft hat, sich wertige, stimmige und zugleich altstadtgerechte postmoderne Bauten zu injizieren. Gern mehr von dieser Unbefangenheit mit klassischen Formen, überall.

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"Der Edle ist mit seinen Pflichten vertraut; der Gemeine sieht nur seinen eigenen Vorteil." - Konfuzius
Wer glaubt, dass ein Bauleiter einen Bau leitet, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet! ;')


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 Betreff des Beitrags: Re: So schön könnte Bauen sein
BeitragVerfasst: 18. Nov 2009 19:10 
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erbsenzaehler hat geschrieben:
Leute wie Ursus sind der Grund, warum Berlin mit langweiligen Rasterfassaden wiederaufgebaut wurde.
Nichts für ungut ;)


Also mich hat niemand gefragt - ehrlich. im übrigen bin ich eher der Freund von karpathischem Wildwuchs als von romanischer Clarté.
Der RRBau fällt eher in zweite Categorie, jedoch ist das Unvermögen seines Arschitekten der Hauptkritikpunkt.
Ohne einen gewissen Qualitätsanspruch kommt man nicht weit, da ist s müssig, drüber zu reden. Jede noch so beliebige Historismus-Fassade hatte ihre eigene Stringenz, so austauschbar und beliebig das Vocabular auch sein mochte. Proportions- und Formenbewusstsein scheinen heute verloren gegangen zu sein - und so lang dies der Fall ist, erscheint ein Insistieren auf einem Neohistorismus oä sinnlos.


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 Betreff des Beitrags: Re: So schön könnte Bauen sein
BeitragVerfasst: 18. Nov 2009 19:36 
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ursus carpaticus hat geschrieben:
Proportions- und Formenbewusstsein scheinen heute verloren gegangen zu sein

Dahingehend stimme ich auch völlig mit dir überein. Dies ist weitgehend der Fall. Schon ein Problem am Professorenstuhl.

Du ziehst dann aber den falschen Schluss:
Zitat:
und so lang dies der Fall ist, erscheint ein Insistieren auf einem Neohistorismus oä sinnlos.

Eben nicht. Denn ohne den Raum, in dem sich ein Neohistorismus ausbreiten darf (Beispiel: Jakriborg -- Bilder), wird sich dieser auch nicht entwickeln können. Werden auch Proportions- und Formenbewusstsein nicht wiederentdeckt werden können.

Auch die Architekten des Historismus mussten sich erst wieder an die Formen ihrer Vorväter herantasten, ein Gespür für längst vergangene Formen entwickeln (s. Nauener Tor). Nur fiel ihnen das natürlich aufgrund der architektonischen Kontinuität leichter, als es den heutigen Architekten je könnte. Darum sollten sich womöglich auch eher Restauratoren, Historiker, mit historischen Bauweisen Vertraute (Fachwerkexperten a la Riegel, Barockgurus wie Oktavian) an solche Bauten wagen. Oder wie in Jakriborg: Einfach Freunde und enthusiastische Kenner historischer Architektur. Bis das wirklich salonfähig wird, ist es aber noch ein steiniger Weg.

Wie gesagt, um die Steine aus dem Weg räumen zu können, müssen wir den Steineausdemwegräumern auch den nötigen Platz lassen.

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 Betreff des Beitrags: Re: So schön könnte Bauen sein
BeitragVerfasst: 8. Feb 2010 23:32 
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In Wieden bin ich auf folgenden Bau gestoßen
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Hiezu ein wichtiger Beitrag unseres Exillausitzers:

Exilwiener hat geschrieben:
Bin ich nicht lieb?! Habe doch noch den alten Artikel aus 1999 (sic!) wiedergefunden!

Zitat:
Neues altes Styling für Favoritenstraße 7
Martha Karner

220 Millionen Schilling steckt die Abouelenin-Gruppe in das Palais in der Wiener Favoritenstraße - es entstehen unter anderem 3500 Quadratmeter Büros und eine Tiefgarage.

Wien. Außen pfui - innen hui, so könnte man am ehesten die Liegenschaft in der Wiener Favoritenstraße 7 beschreiben: Ein Stahlbetonbau mit dem typischen 60er-Jahre-Charme, mit marmorverkleideter Fassade. Was schwer zu ahnen ist: Dahinter verbirgt sich das im 18. Jahrhundert erbaute Erzherzog-Karl-Ludwig-Palais. Jetzt ist Projektentwickler Alaa Abouelenin dabei, den verborgenen Schatz zu heben. Rund 220 Millionen Schilling steckt er in die Renovierung und Revitalisierung der alten Bausubstanz.

Das Palais liegt inmitten eines mehr als ein Hektar großen Privatparks. Der vordere, an der Favoritenstraße liegende Trakt, wurde während des Zweiten Weltkriegs zerbombt und daher in den 60er Jahren neu gebaut. Der hintere, um einen großen rechteckigen Hof angelegte Trakt, stammt aus dem Jahr 1780 und ist zwar verwildert, aber komplett erhalten.

Im Jahr 1996 entdeckte Abouelenin das Schmuckstück und schlug sofort zu: "Ich habe ein Objekt gesucht, das zentral und ruhig liegt und das ich selbst nutzen kann. So etwas findet man kein zweites Mal." Seine Wiener Schloßpark und Liegenschaftsverwertungsgesellschaft erwarb um 106 Millionen Schilling das mehr als 12.000 Quadratmeter große Grundstück und die darauf liegenden Gebäude von der Favorit Liegenschafts- und Verwaltungsgesellschaft.

Nachdem Ende 1998 der letzte Mieter des vorderen Trakts, das Teamwork-Schulungszentrum, ausgezogen war, begann die Generalsanierung. Rund 60 Millionen Schilling steckt Abouelenin in die Renovierung dieses Trakts, in dem rund 3500 Quadratmeter Bürofläche auf sechs Stockwerken und einem ausgebauten Dachgeschoß entstehen. Außerdem wird derzeit eine zweigeschossige Tiefgarage mit 70 Stellplätzen gebaut.

"In drei Monaten werden die Büros bezugsfertig sein", erklärt Abouelenin. Da im Moment das Haus noch eine Baustelle ist, sind trotz zahlreicher Interessenten bis jetzt noch keine Mietverträge unterschrieben. Abouelenin würde die gesamte Fläche gern an einen einzigen Mieter vergeben. Die gewünschte Miete: 160 und 200 Schilling pro Qudratmeter.

>> Neue alte Fassade <<
Die Fassade des vorderen Bauteils wird an die im Stil des romantischen Historismus gestaltete Fassade des hinteren Bauteils angeglichen. Auch die Stiegenhäuser und Gänge des neuen Bürohauses werden dem Stil des hinteren Palais angeglichen, indem etwa Säulen des Palais nachgebildet werden.

Nachdem die Tiefgarage unter dem Innenhof fertiggestellt ist, wird dieser wieder begrünt und in altem Glanz erstrahlen. Abouelenin stellt sich "Kieswege und Springbrunnen" vor, wo jetzt noch eine Baugrube klafft.

Der hintere Trakt des Erzherzog-Karl-Ludwig-Palais soll in Baustufe zwei ebenfalls komplett saniert werden. Diesen Teil des Gebäudes will Abouelenin selbst als Büro und Wohnung nutzen.

Hinter dem Hoftrakt, versteckt im großen Privatpark des Objekts, verbirgt sich noch ein Schmuckstück: eine kleine Villa (rund 500 Quadratmeter Nutzfläche). Diese wird derzeit vom ehemaligen Eigentümer, dem UNO-City-Architekten Johann Staber bewohnt, der jedoch in den nächsten Wochen ausziehen wird. Dann will Abouelenin die City-Villa im Grünen um 30 bis 40 Millionen Schilling verkaufen.

>> Keine Förderungen <<

Für die Sanierung des historischen Bauwerks gibt es übrigens trotz Auflagen des Denkmalamts keinen Groschen Förderung. Abouelenin: "Uns wurde mitgeteilt, daß es rund fünf Jahre dauert, bis eine Entscheidung über eine Förderung fällt, also habe ich gleich darauf verzichtet."

.......usw.

Bildtext: Ein historischer Schatz verbirgt sich hinter der Fassade des Hauses Favoritenstraße 7 in Wien ...

... Alaa Abouelenin investiert 220 Mio. S, um ihn zu heben


Quelle: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/195126/index.do

Auch das habe ich gefunden. Die TU Wien rühmt sich nicht wegen diesem Gebäude, aber nutzen tut sie es...?! Diese ideologisch-theoretische Architektenlobby ist doch wirklich eine K...bande ohne Gleichem:

http://www.iemw.tuwien.ac.at/contact/fav7.htm

Das sehrwohl zur TU gehörende linke Gebäude ist ja dafür wunderbar ehrlich bescheiden :lachen:

Und noch eine schöne Teilansicht der Favo7 aus noch wärmeren Tagen:

Bild


Und dann noch dieser link:
http://www.planet-vienna.com/spots/Pala ... ludwig.htm
was haltet ihr davon? Ich hab ehrlich gesagt den Bau total falsch eingeschätzt.

Zitat:
Historismus gekreuzt mit Art Deco oder was?


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